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Festspiele Erl 2012

ERL
Erl – das ist ein kleines Dorf im Tiroler Unterland, eineinhalbtausend Einwohner, eine Hand voll Gasthäuser, sehr viele Kühe. Ein Dorf wie andere auch.
Aber Erl kann eine ganz besondere Geschichte erzählen. Nah an der Grenze gelegen, hat es viele Kriege, Belagerungen, viel Leid gesehen. Im 17. Jahrhundert war es genug – die Bewohner legten einen Eid ab: sie würden alle sechs Jahre die Passion Jesu Christi aufführen, wenn sie nur verschont blieben von weiteren Kriegsgräueln.
Erl wurde Passionsspielort, seit den 1950er Jahren mit einem Passionsspielhaus, das für 1500 Zuschauer Platz hat, eine große Bühne – und eine sensationelle Akustik.

GUSTAV KUHN
Der andere Teil der Geschichte heißt Gustav Kuhn. Geboren in Salzburg, hatte er mit 25 Jahren zwei Universitätsabschlüsse in der Tasche, begann seine Dirigentenlaufbahn in Istanbul, setzte sie fort in Neapel, Berlin, Rom, Paris, New York und vielen anderen bedeutenden Opern- und Konzerthäusern der ganzen Welt. Dabei hat er nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum ging, die Missstände des Klassik- und Opernbetriebs zu kritisieren. Jungen Musikern würden unnötige Steine in den Weg gelegt, vielversprechende Begabungen administrativen Auswüchsen geopfert. Die Antriebsfeder für Gustav Kuhns rastloses kreatives Schaffen, aber auch für seine Kritik ist seine Liebe zur Musik.
Musik ist für Gustav Kuhn Lebenselixier und Ansporn zu immer neuer Aktivität, zu Wandlung und Neubeginn.

ERL + KUHN = TIROLER FESTSPIELE ERL
Ein solcher Neubeginn sind die Tiroler Festspiele Erl, die Gustav Kuhn 1998 gründete. Für ihn einerseits die Verwirklichung eines Lebenstraums – eigene Festspiele veranstalten. Und andererseits Ausdruck seines Bestrebens, junge Musiker und Musikerinnen zu fördern – kurz: die Liebe zur Musik am Leben zu erhalten. Seit 1998 hat sich ein Festival mit internationalem Anspruch etabliert, zu dem die Menschen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum anreisen, aber auch aus anderen Teilen Europas, sogar aus den USA oder Japan. Die Tiroler Festspiele Erl sind – wie sollte es bei einem künstlerischen Leiter wie Gustav Kuhn auch anders sein – nicht irgendein Musikfestival.

Was Maestro Kuhn anstrebt, ist ein „Festival der Auseinandersetzung“. Wenn er Regie führt, stellt er die Tradition auf den Prüfstand. Lange überlieferte und kaum mehr hinterfragte Interpretationsmuster werden abgestreift, neue, frische Ideen finden Gehör. Und wenn Maestro Kuhn das Dirigentenpult betritt, dann kommt die musikalische Substanz der Werke ans Tageslicht. Das Resultat: so mancher Opernfreund reibt sich verwundert die Augen und mag kaum seinen Ohren trauen. Denn die eine oder andere Arie hat er schon so oft gehört, kennt sie fast auswendig – und doch: so klang sie noch nie, so entstaubt, befreit vom Interpretationsballast vergangener Tage, rein und berührend.
Wenn Musik Selbstbestimmung ist, dann sind die Tiroler Festspiele Erl Freiheit. „Freiheit zu etwas“, nicht „von etwas“, wie Maestro Kuhn betont. Freiheit dazu, mit Elan und Ehrlichkeit zu arbeiten. „Denn alles andere passt nicht zu uns.“

Quelle: Tiroler Festspiele.at
 
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